Copilot übernimmt das Python-Skript in Ihrer Arbeitsmappe

Manche Auswertungen sprengen den Rahmen dessen, was sich mit Formeln noch bequem lösen lässt: eine Prognose über mehrere Quartale, ein Signifikanztest, eine Gruppierung von Kundendaten, ein Diagrammtyp, den Excel gar nicht anbietet. Für genau diese Fälle können Sie Copilot jetzt einfach fragen. Sie beschreiben in normaler Sprache, was Sie wissen möchten – Copilot erzeugt im Hintergrund den passenden Python-Code, lässt ihn laufen und legt das Ergebnis in Ihrer Arbeitsmappe ab. Programmierkenntnisse brauchen Sie dafür nicht. Microsoft hat die Funktion Ende August für Windows, Mac und das Web in den Release Notes dokumentiert. Wir haben für Sie zusammengefasst, wie Sie sie nutzen und was dabei mit Ihren Daten passiert.

 

Info Mehrwert: Analysen ohne Spezialwissen
UseCase UseCase: Daten auswerten
Zeit Lesedauer:
3 Minuten
Schwierigkeit Schwierigkeit: Einfach

Zwei Bausteine kommen hier zusammen, die es einzeln schon länger gibt: Python in Excel auf der einen Seite, die Bearbeitungsfunktion von Copilot auf der anderen. Neu ist, dass Copilot Python innerhalb dieser Bearbeitung selbst einsetzt – statt Ihnen Code vorzuschlagen, den Sie anschließend selbst einfügen. Ausgerollt wird das seit dem Frühjahr, seit Ende August steht es in den Release Notes für alle drei Plattformen.

Für die Praxis heißt das: Auswertungen, für die man bisher nach einem zweiten Werkzeug gegriffen hat, bleiben in der Arbeitsmappe. Copilot greift dabei auf dieselben Werkzeuge zurück, mit denen Datenanalyst:innen weltweit arbeiten – Programmbibliotheken mit Namen wie pandas, matplotlib oder scikit-learn. Sie müssen davon nichts kennen und nichts installieren; Copilot wählt aus, was zu Ihrer Frage passt. Für Sie zählt, was damit möglich wird: Prognosen, das Gruppieren ähnlicher Datensätze, statistische Tests und Diagramme wie Boxplots oder Heatmaps, die sich mit Bordmitteln nur mühsam bauen lassen.

Wichtig für die Einordnung ist, wo der Code läuft: nicht auf Ihrem Rechner, sondern in einem abgeschotteten Container in der Microsoft-Cloud. Laut Microsoft hat der Python-Code weder Zugriff auf Ihr Gerät noch auf das Netzwerk, und die Daten werden in der Cloud nicht dauerhaft gespeichert. Jede Arbeitsmappe erhält dabei ihren eigenen isolierten Container.

  1. Öffnen Sie die Arbeitsmappe mit den Daten, die Sie auswerten möchten – im Browser oder in der Desktop-App.
  2. Starten Sie die Bearbeitung mit Copilot (Edit with Copilot).
  3. Beschreiben Sie Ihre Aufgabe in normaler Sprache, etwa „fasse die Trends der letzten zwölf Monate zusammen“ oder „erstelle einen Boxplot der Verkaufszahlen je Region“. Wenn Sie Python ausdrücklich möchten, sagen Sie es dazu.
  4. Prüfen Sie das Ergebnis in der Arbeitsmappe. Die fertige Auswertung bleibt dort gespeichert – wer mag, kann den erzeugten Code in der Zelle hinter =PY() ansehen, nötig ist das nicht.

  • Der Code läuft in der Cloud: Die Ausführung findet in einem isolierten Container in der Microsoft-Cloud statt. Der Python-Code kann laut Microsoft weder auf Ihren Rechner noch ins Netzwerk zugreifen, und die Daten werden dort nicht dauerhaft gespeichert.
  • Wenn die Funktion fehlt: Häufig liegt es am Update-Kanal. Im Semi-Annual Enterprise Channel stehen die Copilot-Funktionen in den Desktop-Apps nicht bereit. Im Browser können Sie unabhängig davon arbeiten – das ist der schnellste Weg, es trotzdem auszuprobieren.
  • Ergebnisse gegenlesen: Copilot übernimmt die Rechenarbeit, die fachliche Einschätzung bleibt bei Ihnen. Prüfen Sie das Ergebnis auf Plausibilität, so wie Sie es bei einer Formel auch tun würden: Stimmen Größenordnung, Zeitraum und die zugrunde liegenden Zahlen?
  • Nicht für alles gedacht: Zurück kommen Auswertungen und Diagramme – keine Makros und keine fertigen Excel-Formeln.
  • In Ihren eigenen Worten fragen: Fachbegriffe sind nicht nötig. „Welche Regionen fallen aus dem Rahmen?“ führt genauso zum Ziel wie eine technisch formulierte Anweisung. Wenn Sie eine bestimmte Darstellung im Kopf haben, nennen Sie sie ruhig beim Namen – wenn nicht, beschreiben Sie einfach, was man erkennen soll.
  • Klein anfangen: Eine konkrete Frage an einen klar abgegrenzten Datenbereich liefert bessere Ergebnisse als ein Rundumauftrag an die ganze Mappe.
  • Aus der Antwort eine Vorlage machen: Bitten Sie Copilot ausdrücklich darum, die Auswertung als Python-Zelle abzulegen – erkennbar an =PY(). Excel rechnet sie dann bei neuen Zahlen automatisch neu, und Sie können die Zelle in eine andere Arbeitsmappe kopieren: Dort entsteht die Auswertung samt Diagramm frisch, statt nur als Bild zu erscheinen. Ohne diese Bitte liefert Copilot mitunter nur das fertige Ergebnis, ohne eine solche Zelle zu hinterlassen.

Der eigentliche Fortschritt liegt weniger in der Technik als in der Einstiegshürde: Auswertungen, die bisher Spezialwissen oder ein zweites Werkzeug vorausgesetzt haben, entstehen jetzt aus einem Satz in normaler Sprache. Wer hinter die Kulissen schauen möchte, kann das tun – nötig ist es nicht. Ein guter Einstieg ist eine Auswertung, die Sie ohnehin jeden Monat machen: einmal beschreiben, Ergebnis prüfen, beim nächsten Mal wiederverwenden.