OpenAI hat am 8. Juli GPT-Live vorgestellt, eine neue Generation von Sprachmodellen, die ab sofort den Sprachmodus von ChatGPT antreibt. Anders als bisherige Sprachmodi arbeitet GPT-Live im sogenannten Vollduplex-Verfahren: Das Modell hört weiter zu, während es selbst spricht. Unterbrechungen, Denkpausen und kurze Bestätigungen wie „mhmm“ gehören damit zum Gesprächsfluss, statt ihn zu stören. Der Rollout läuft weltweit über die iOS- und Android-Apps sowie ChatGPT.com – zahlende Nutzer:innen erhalten GPT-Live-1, der kostenlose Plan die Mini-Variante. In unserem Test war der neue Modus außerdem bereits in der klassischen Windows-App verfügbar, obwohl OpenAIs Dokumentation die Desktop-Apps offiziell noch ausnimmt. Wir haben für Sie zusammengefasst, was die neue Sprachfunktion kann und worauf Sie beim Ausprobieren achten sollten.
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GPT-Live löst ein Problem, das jede Sprachassistenz bisher hatte: Das Modell musste warten, bis Sie fertig gesprochen haben – und schon eine Denkpause oder Hintergrundgeräusche galten als Redeende. Die neue Vollduplex-Architektur verarbeitet Ihre Stimme und die eigene Ausgabe gleichzeitig. GPT-Live entscheidet mehrmals pro Sekunde, ob es sprechen, weiter zuhören, pausieren oder ein Werkzeug aufrufen soll. Für anspruchsvollere Fragen reicht das Sprachmodell die Aufgabe im Hintergrund an GPT-5.5 weiter und hält das Gespräch währenddessen am Laufen – etwa bei Websuchen oder längeren Überlegungen. Neu sind außerdem visuelle Antwortkarten für Themen wie Wetter, Aktien oder Sport, eine Live-Übersetzungsfunktion und drei wählbare Intelligenzstufen (Instant, Medium, High).
Wichtig für den Unternehmenskontext: Zum Start ist GPT-Live nur in den privaten Plänen verfügbar – Free erhält GPT-Live-1 mini, Go, Plus und Pro das große Modell. ChatGPT Business, Enterprise und Edu sind ebenso ausgenommen wie Custom GPTs und temporäre Chats. Einen Termin für die Unternehmenspläne hat OpenAI noch nicht genannt. Bisher haben es neue Consumer-Funktionen aber regelmäßig mit einiger Verzögerung auch in die Business- und Enterprise-Pläne geschafft – wir gehen davon aus, dass GPT-Live diesem Muster folgt.
Bei den Desktop-Apps ist das Bild uneinheitlich: Laut OpenAIs Hilfeseiten ist Live dort zunächst nicht verfügbar – in unserem Test erschien der neue Modus samt „Live“-Label jedoch bereits in der klassischen Windows-App (seit dem 9. Juli „ChatGPT Classic“), während die neue, aus der Codex-App hervorgegangene ChatGPT-Desktop-App ihn noch nicht anbot. Vermutlich bezieht sich OpenAIs Einschränkung auf diese neue App. Eine API-Version hat OpenAI angekündigt, aber noch nicht terminiert.



Die ersten Rückmeldungen fallen überwiegend positiv aus. TechRadar berichtet nach mehreren Stunden mit GPT-Live, das Gespräch fühle sich mehr denn je wie eine Unterhaltung mit einem Menschen an – inklusive Zögern und variierender Sprechmuster; kleinere Störungen seien selten geblieben. In einer Fragerunde auf Reddit hat OpenAI zugleich bekannte Anlaufprobleme eingeräumt: Die Memory-Funktion arbeitet im neuen Sprachmodus derzeit nicht zuverlässig, das Team untersucht das Problem. Mehrere Nutzer:innen berichten außerdem, dass Fremdsprachen teilweise mit englischem Akzent ausgesprochen werden – ein Punkt, den OpenAI selbst einordnet: Für einige Sprachen könne das Modell einen nicht-muttersprachlichen Akzent oder Lücken im Sprachfluss zeigen. Für Gespräche mit mehreren Personen im Raum ist GPT-Live laut Hilfeseiten noch nicht optimiert.
Mit GPT-Live macht der Sprachmodus von ChatGPT den bisher größten Sprung Richtung natürlicher Unterhaltung: gleichzeitiges Zuhören und Sprechen, echte Denkpausen und im Hintergrund die Intelligenz von GPT-5.5. Für alle, die ChatGPT unterwegs, beim Pendeln oder freihändig nutzen, lohnt sich das Ausprobieren sofort – die Funktion ist ohne Zusatzkosten Teil des bestehenden Plans. Unternehmen mit Business- oder Enterprise-Lizenzen müssen sich dagegen noch gedulden, und wer auf Video, Bildschirmfreigabe oder die Memory-Funktion angewiesen ist, sollte die bekannten Startprobleme im Blick behalten. Der nächste sinnvolle Schritt: Öffnen Sie den Sprachmodus, prüfen Sie das „Live“-Label und testen Sie die neue Gesprächsführung mit einer Alltagsfrage – am besten einmal auf Deutsch, um die Sprachqualität für Ihren Einsatz selbst zu beurteilen.